March 13 2009
Gran Torino
Walt Kowalski ist ein pensionierter Ford-Arbeiter. Er hat viele Jahrzehnte beim traditionellen amerikanischen Autohersteller gearbeitet. Nach dem Tod seiner Frau lebt er nun alleine mit seinem Hund. Zu seinen Kindern hat er keinen guten Kontakt und die Tristesse des Alltags lassen den Kriegsveteran noch kauziger werden. Als dann der asiatische Nachbarsjunge eines Abends versucht Kowalskis 1972er Ford Gran Torino zu stellen, kommt es zur schicksalhaften Begegnung.
Kowalski (gespielt von Clint Eastwood) hegt und pflegt sein Ford Muscle-Car liebevoll. Das Auto ist der Stolz des ehemaligen langjährigen Ford-Arbeiters. Er selbst hat am Fließband des Ford-Werks die Lenkung dieses Autos eingebaut. Am besagten Abend bricht der Nachbarsjunge Thao (Bee Vang) in Walts Garage ein und wird dabei beinahe von dem Rentner erschossen. Thao sollte den Wagen als Teil seiner Aufnahme in die lokale Gang stehlen. Doch Thao ist eigentlich ein guter Junge, der mitten in der Pubertät steckt und als Immigrant ohne Perspektive und ohne männliches Vorbild auf die schiefe Bahn zu geraten droht. Die Begegnung in Walts Garage bringt beide einander näher. Der verschlossene Witwer öffnet sich ein wenig gegenüber seinen Nachbarn. Er bleibt ein Kauz, doch er fühlt langsam die zwischenmenschliche Wärme der nachbarlichen Großfamilie und beginnt sich zu öffnen.
Thaos größere Schwester Sue (Ahney Her), die in der vaterlosen Familie der Herr im Hause ist, geht aktiv auf den alten Walt zu. Sie ist clever und selbstbewußt. Doch als es zu Übergriffen der Gang auf ihre Familie kommt, da ist es Walt und sein Gewehr aus dem Koreakrieg, die sie vor schlimmeren beschützen. Sue und Thao wachsen dem alten konservativen Mann ans Herz. Doch sie werden keine Ruhe finden solange die Gang ungehindert schalten und walten kann. Und Immer häufiger hustet Walt Blut. Mit seiner Gesundheit steht es nicht zum besten. Seine Zeit wird knapp. Er muss etwas unternehmen.
Kritik
In den vergangenen Jahren hat Eastwood bewiesen, dass er ein ausgezeichneter Regisseur mit einem Händchen für sensible Geschichten (Oscar für “Million Dollar Baby”) ist. In “Gran Torino” liefert er wieder eine ausgezeichnete Arbeit ab. Sein Film stellt die Frage nach Werten & Familie, dem alten weißen Amerika und dem neue “Meltingpot America” der Gegenwart. Sinnbild hierfür ist das Auto, das dem Film seinen Namen gibt. Der “Buy American” Charakter des weißen Amerikaners mit europäischen Vorfahren namens “Kowalski”, der mit einer zerütteten Familie seinen Lebensabend in Einsamkeit entgegen geht, steht auf der einen Seite. Auf der anderen, asiatische Immigranten mit einer jungen tapferen Frau als Hausherr und einem Teenager ohne Perspektive und ohne Werte.
“Gran Torino” ist wahrscheinlich Clint Eastwoods letzte Hauptrolle. Und er spielt sie hervorragend. Man darf vermuten, dass ihm die Botschaft dieser Rolle also besonders am Herzen liegt und sie bewußt Teil seines filmischen Vermächtnisses sein soll.
Mittlerweile merkt man Clint Eastwood sein Alter sehr deutlich an, doch gerade diese physische Zerbrechlichkeit lässt die innere Stärke und Entschlossenheit des Walt Kowalski noch klarer hervortreten. Das Motiv der Generationen spiegelt sich auch im Cast hervorragend wieder. Denn die übrigen Schauspieler könnten ohne Probleme als Eastwoods Enkel durchgehen (tatsächlich ist eine der Nebenrollen mit einem seiner Enkel besetzt). Die jungen Schauspieler sind weitgehend unbekannt, aber liefern durchweg eine gute Leistung. Auch wenn Sie nicht so zu brillieren vermögen wie der Altmeister in einigen intensiveren Szenen.
Fazit
Eastwood spielt immer wieder mit den Schubladen, in die er während seiner Karriere hineingezwängt wurde. Doch er überrascht. So wie er in den vergangenen Jahrzehnten die Kritiker lügen gestraft hat, so überrascht auch das Ende von “Gran Torino” den Zuschauer. Kein Dirty-Harry-Gewaltdrama wie man es vermuten könnte, sondern eine feinfühlige Sozialstudie. Ein Film, der die Frage nach Familie und Werten in der heutigen Zeit aufwirft. Ein klares “must see” und Highlight der Kinosaison 2009.
Links
Offizielle Website inkl. Trailer (englisch)
