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November 16 2008

Let’s Make Money

“Die meisten von uns wissen nicht wo sich ihr Geld befindet. Sicher ist nur, dass es sich nicht auf der Bank befindet, der wir es zur Verwahrung anvertraut haben.” Doch wo befindet sich unser Geld denn dann? Dieser Frage ist Ernst Wagenhöfer in seiner Dokumentation “Let’s Make Money” nachgegangen. Wagenhöfer nimmt uns mit auf seiner Suche nach unserem Geld. Eine Suche die rund um den Globus führt.

Die Reise führt zuerst nach Burkina Faso. Obwohl dort Baumwolle von hervorragender Qualität hergestellt wird verarmt das ganze Land. Denn für Ihr Erzeugnis lässt sich auf dem Weltmarkt kein adäquater Preis erzielen. Die Subventionen der westlichen Welt in ihre heimische Baumwollindustrie drückt den Preis so sehr, dass Burkina Faso noch auf viele Jahrzehnte an den Krediten der Weltbank zu knabbern haben wird. Wagenhöfer zeigt auf wie sich der Westen über die Kombination von “Entwicklungs”-Krediten und Subvention günstige Rohstoffe sichert und die Erzeugerländer in Armut hält.
Eine andere Station ist Indien. In dem wachstumsstarken Schwellenland begleitet der Zuschauer einen österreichischen Projektmanager, der dort für den Bau von Industrieanlagen zuständig ist. Die Armut der Bevölkerung ist auch dort allgegenwärtig, trotz qualifizierter Arbeitskräfte, Demokratie, Rechtsstaat und Bildung. Vor allem der funktionierende Rechtsstaat verzückt den Projektmanager, denn er macht den Unterschied zu anderen Schwellenländer und garantiert eine gewisse Sicherheit der Investitionen. Eine hohe Rendite wird andererseits durch niedrige Löhne, niedrige Lohnnebenkosten und mangelnde Umweltauflagen garantiert. Und solange das so bleibt, wird weiter kräftig investiert.
Wessen Geld dort investiert wird? Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass es Ihr Geld ist. Zumindest wenn Sie privat für ihre Rente vorsorgen und Kapitalanlagen bei einer großen Bank oder Versicherung haben. Denn diese investieren wiederum über andere Fonds in “Emerging Markets”.
Vielleicht ist Ihr Geld aber auch in eine der vielen spanischen Wohnanlagen geflossen, die in den letzten Jahren aus den Boden gesprossen sind. Wohn- bzw. Ferienanlagen in denen niemand wohnt oder Ferien macht, die reine Spekulationsobjekte sind. Und weil diese Objekte in unmittelbarer Nähe zu Golfplätzen “wertvoller” sind wird ein solcher gleich mitgebaut. Alleine die 800 Golfplätze der über 3 Millionen leer stehenden Wohnungen & Häuser verbrauchen in Spanien pro Jahr so viel Wasser wie 16 Millionen Menschen.

Kritik

Wagenhöfer lässt wie schon bei “We feed the World” die Bilder sprechen. Er hält sich zurück, rückt die Aussagen seiner Gesprächspartner in den Vordergrund und überlässt es dem Zuschauer sich eine eigene Meinung zu bilden. Es gelingt ihm auf seiner Reise um die Welt den roten Faden nicht zu verlieren. Erfolgreich zeichnet er ein größeres Bild von den internationalen Geldströmen und zeigt die teilweise katastrophalen Auswirkungen für Umwelt und Gesellschaft auf der Welt.
Jedoch wirken einige Passagen auch recht abstrus. Vor allem die Szenen mit einem ominösen “Wirtschaftskiller” und die Huldigungen durch Hermann Scheer auf das Allheilmittel der staatlichen Kontrolle. Scheer (ehemals Schattenminister im Kabinett von Andrea Ypsilanti) sorgt damit unfreiwillig für den ironischen Schluss-Akzent des Films indem er vor den Unterschriften sowjetischer Soldaten an den Mauern des Reichstags den starken Staat lobhudelt.

Fazit

“Let’s Make Money” hätte keinen passenderen Zeitpunkt um in die Kinos zu kommen finden können. Die Weltfinanzkrise zeigt allen auf, dass es mit den Kapitalmärkten noch längst nicht gut bestellt ist. Kritisch aber nicht schulmeisterhaft versucht dieser Dokumentarfilm einen umfassenden Blick auf die Schattenseite globalisierter Finanzströme zu werfen. Und es gelingt ihm. Prädikat: Absolut sehenswert, nicht nur in Zeiten von Wirtschaftskrisen.

Links

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