January 22 2009
Waltz with Bashir
Hunde kläffen. Eine ganze Meute hetzt durch die Stadt und bleibt mit gebleckten Zähnen vor einer Wohnung stehen. Es ist ein Traum. Ein Traum von 26 Hunden von dem ihm ein Freund abends in einer Bar berichtet. Die Schilderungen seines Freundes über diesen Traum lösen bei Ari zum ersten Mal seit 20 Jahren Erinnerungen an seine Zeit als Soldat aus. An den Krieg im Libanon. An West-Beirut. An das Massaker.
Mit diesem Abend in der Bar und dem Traum eines Freundes von den 26 Hunden, die er damals im Krieg erschießen musste, fängt für Ari Folman eine Reise in die eigenen Vergangenheit an. Ari lebt in Paris und ist Filmemacher. All die Jahre hat er nicht mehr an den Krieg im Libanon gedacht. An seine Zeit in der israelischen Armee, als junger Soldat, der gerade von seiner Freundin verlassen worden war.
Aris Weg in die eigene Vergangenheit führt über seine Kameraden von damals. Er versucht herauszufinden was damals wirklich geschah. Seine Reise führt von Erinnerung zu Erinnerung und mit jedem Interview, das er mit Beteiligten des Libanonkrieges von 1982 führt nähert er sich der eigenen Wahrheit. Er findet heraus, dass er zum Zeitpunkt des Massakers in den Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila vor Ort war. Doch die Erinnerung ist nicht in Stein gemeißelt, sie ist ein dynamisches Produkt der Gegenwart. Ari ist sich deshalb nicht sicher. Was hat es mit seinem Traum von West-Beirut auf sich? War er etwa an dem Massaker beteiligt gewesen? Er, dessen Eltern selbst das Vernichtungslager von Auschwitz durchlitten hatten? Was geschah damals im Libanon wirklich? Ari muss es erfahren. Er braucht Gewissheit.
Kritik
“Waltz with Bashir” von Ari Folman ist ein animierter Dokumentarfilm mit Anlehnung an den Film noir. Es ist ein Film mit Liebe zum Detail, der den Zuschauer in die 80er des Nahen Ostens führt. Folmans Film besticht durch eine dichte Atmosphäre, die dem ernsten und schwerem Thema gerecht wird, aber auch immer wieder durch wohltuende heitere Szenen aufgebrochen wird.
Es ist ein innovativer Dokumentarfilm, bei dem reale Ereignisse durch die Augen von realen Personen erzählt werden. Ari Folman wählt dabei die Form des Ich-Erzählers um den persönlichen Bezug zum Thema noch deutlicher in den Vordergrund zu schieben. Er nutzt gekonnt das visuelle Stilmittel der Animation als Ausdruck der unscharfen Vergangenheit, das die Grauen des Krieges als Fetzen der Erinnerung wiederbelebt.
Die passende musikalische Untermalung vervollständigt diesen künstlerischen Gesamtanspruch und schafft erfolgreich ein Gesamtkunstwerk.
Fazit
“Waltz with Bashir” ist ein sehr persönlicher und künstlerisch anspruchsvoller Dokumentarfilm, wie man ihn so vielleicht noch nie gesehen hat. Ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das von einem ernsten Thema erzählt und an aktuellem Bezug nichts verloren hat. Absolut empfehlenswert und Oscar-verdächtig!
